Smiers-Schijndel - Kein Copyright

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Inhaltsverzeichnis

Mögliche Kritikpunkte

  • prominenter Bezug auf Michele Boldrin und David K. Levine (S. 24) >> libertäre, marktradikale Position, die sich Smiers zu eigen macht (S. 83); "Es gibt nämlich ein besseres Instrument, um sehr vielen Künstlern und ihren Werkmittlern zu einem angemessenen Einkommen zu verhelfen und zugleich sicherzustellen, dass unser an frei zugänglicher künstlerischer Kreativität und an frei nutzbarem Wissen reiches Gemeinwesen nicht privatisiert wird.Dieses Instrument ist der Markt. Unter einer Voraussetzung: Er darf in keiner Weise einseitig beherrscht werden, von nichts und niemandem. Deshalb hat das Urheberrecht dort ebenso wenig Platz wie marktbeherrschende Kultur- und Medienunternehmen."

>> "Den Anhängern des Neoliberalismus wird unsere Herangehensweise an das Wettbewerbsrecht vermutlich ziemlich revolutionär vorkommen." eher nicht, weil anschlussfähig an Austrian Economics >> große Unterschied ist die Befürwortung staatlicher Subventionen, um Vielfalt jenseits von Vermarktungsmöglichkeiten zu fördern (z.B. S. 110)

  • "Privilegien" waren damals "Rechte", und eben nur bedingt "Vorrechte", wie es in der heutigen Bedeutung des Worts "Privilegien" mitschwingt
  • Haken von Abo-Systemen (S. 41; noch einmal ausführlicher auf S. 77), eine Reihe von Fragen: "Wie viel soll ein Abo kosten? Ist es im Grundpaket eines Internetanbieters enthalten, oder gibt es eine Wahlmöglichkeit? Wie werden die Gelder am Ende verteilt? Wie wird gemessen, welcher Künstler oder Rechteinhaber wie viel Geld beanspruchen kann?" ; S. 77: "Bei so vielen Fragen und den zu erwartenden Machtkämpfen um die Antworten scheint eine solche Abgabe schon tot zu sein, bevor sie überhaupt ins Leben gerufen wurde."

>> ja aber Fragen, die sich beantworten lassen; vgl. z.b. Aigrain's Buch "Sharing" (2012); ähnlich viele Fragen ließen sich auch für die Neu- und Ausgestaltung des geforderten Wettbewerbsrechts formulieren (z.B. S. 98)

  • Frage nach der Ausgestaltung "unerlaubten Handlungen" >> bleibt sehr diffus, soll aber an verschiedenster Stelle (Ersatz für Urheberpersönlichkeitsrecht, indigenes Wissen) zum Einsatz kommen; ließe sich das als die Idee einer "Unfair Use"-Klausel interpretieren?
  • Details der CC-Kritik (S. 81 ff.), es würden keine Gemeingüter geschaffen, stimmt nur teilweise: funktional werden mit vielen Lizenzformen sehr wohl Gemeingüter geschaffen, und darauf kommt es an.
  • Überschätzung des First-Mover-Vorteils (S. 105 f.) >> Samwer Copycat-Ansatz (vgl. http://www.businessinsider.com/this-man-basically-stole-airbnbs-idea-and-hes-proud-of-it-2012-6); aufs Kopieren spezialisierte Dienstleister?
  • Ausmaß der Folgen einer Copyright-Abschaffung: einerseits nicht sehr weitgehend, weil keine so große Bedeutung für Einkommen/Schaffen der Mehrheit der Kulturschaffend, andererseits aber so weitgehend, dass es nicht mehr zur Entstehung von Star kommt (S. 115: "In dem kulturellen Milieu, das wir uns vorstellen, wird es weltberühmte Stars wie Cory Doctorow nicht mehr geben.") >> Schon heute zeigt sich, dass das Star-Prinzip aufmerksamkeitsökonomisch und damit unabhängig vom Copyright funktioniert, vgl. YouTube-Stars, Justin Bieber etc.

Weiterdenken/Ausbaufähig

  • Originalitätsdiskussion:Beispiel China - bei Byung-Chul Han noch einmal hinsichtlich Shanzhai nachlesen
  • Urheberrecht als Kostenfaktor für Kunst- und Kulturschaffende (vgl. Stalder 2011)
  • Diskussion der Alternativen, insb. Creative Commons: CC als Möglichkeit, Post-Copyright-Gechäftsmodelle im hier und jetzt auszutesten?; Vorwurf, CC würde kein ökonomisches Modell entwickelt haben: Ja, aber andere können und tun das (Jamendo, Kickstarter, FlatworldKnowledge etc.) >> Warum kein Kickstarter-Modell in den Beispielen?
  • Argumente des Buches eher als Argumentationssteinbruch zur Begründung einer Kombination von Fair-Use und Kulturflatrate nach Aigrain?

Exzerpt/Kerngedanken (tw. Kommentiert)

Kapitel 1 & 2: Kritik am Urheberrecht

  • Free Speech: "Was ist das für ein Dialog, bei dem wir mit Botschaften überschüttet werden, auf die wir nicht antworten dürfen? Mit Zeichen und Bildern, deren Bedeutungskonstruktionen wir nicht ins Kreuzfeuer der Kritik nehmen können? Mit Konnotationen, die wir nicht anfechten dürfen?« (Coombe 1998: 84 f.)
    • (S. 49) "Auch die Möglichkeit einer begrenzten juristischen Schutzfrist gefällt uns nicht. Es muss möglich sein, ein Werk zu verändern, es zu remixen, kurz: darauf zu reagieren."
  • Entwicklungspolitische Dimension von IP
    • am Beispiel TRIPS an mehreren Stellen des Buches, regelmäßig unter Verweis auf Peter Drahos
    • Aber: widersprüchlich wenn es um Verwendung indigenen Wissens geht; hierfür wären Ansprüche aus "unerlaubten Handlungen" (S. 72) >> sieht sehr unpräzise und catch-all-mäßig aus
  • Prinzipielle Ablehnung von Urheberpersönlichkeitrechten (S. 29) aus zwei Gründen:
    • (a) Kunst entsteht im Kontext bestimmter Traditionen; (b) Urheberpersönlichkeitsrechte werden von Konzernen als Kontrollinstrumente zweckentfremdet
    • Mindestschutz über andere Bestimmungen: "Tatbestand der üblen Nachrede, der Beleidigung, vor allem aber das Recht auf Schadenersatz für unerlaubte Handlungen im Blick."
    • Implizit: Verweis auf Attributionsnorm, Grenze ist das Plagiat (S. 32) >> Urheberpersönlichkeitsrechte als Voraussetzung für Starkult; ist das so? bzw. bis zu welchem Grad? Kultur nicht gleich Aufmerksamkeitsökonomie gleich Winner-Take-All?
  • Argument der Einkommensungerechtigkeit unter Verweis auf Kretschmer-Studien (S. 33: "ökonomische Studien zeigen, dass 90% des Einkommens aus der Verwertung von Rechten an nur 10% der Künstler fließen, während sich die übrigen 90% die verbleibenden 10% des Geldes teilen müssen.")
    • "Sehr viele Bands machen Musik, ohne sich vom Urherberrecht etwas zu erhoffen, was auch nur entfernt nach einem Einkommen aussähe." (S. 34)
  • Argument: Prioritäten setzen in der Verfolgung illegaler Aktivitäten (S. 44 ff.)
    • Entkriminalisierung für Drogenhandel und Filesharing (S. 46)
  • Mogelpackung "creative industries": kaum echte Industrie, ideologische Betonung des Genie-Begriffs

Kapitel 3: Wettbewerbsrecht

  • Kritik an großen Unternehmen: (a) Einfluss auf kulturelle Prioritätensetzung; (b) ineffizienz großer Unternehmen (>> aber: Economies auf Scale, gerade angesichts sinkender Distributionskosten), auch durch das Eingehen unverantwortlicher Risiken; (c) Netzeffekte führen zu noch größeren und mächtigeren Dominatoren (>> aber: Widerspruch zu (b)?); (d) Schwache Wettbewerbsbehörden; (e) Marktbeherrschung durch einzelne Unternehmen als prinzipiell abzulehnende Situation
  • Verweis auf Vorschläge der Stiglitz-Kommission für den Bankensektor als Vorbild
  • S. 103: "Im heutigen Digitalzeitalter steht eine Fülle an Kommunikationsmitteln bereit. Deshalb können auch mittelgroße Unternehmen problemlos weltweite Märkte bedienen."
  • Kulturelle Vielfalt als zentrales Ergebnis/Vorteil einer Zerschlagung großer Medienkonzerne
  • S. 134: sehr weitgehende Zerschlagungsabsichten: "Denn in unserem Modell würde es, wie gesagt, keine vertikale Integration mehr geben." >> müsste dann ja für alle Bereiche gelten? Ist das wirklich wünschenswert?

Kapitel 4: Entlang der Wertschöpfungskette - Produktion, Distribution und Rezeption

  • Bücher: "Instrument der Anprangerung und der Imageschädigung" >> ist das nicht im Widerspruch zum Ziel des Buches?; Warum soll es keine Bestseller mehr geben? (S. 119) >> leben davon, dass alle dasselbe Lesen und sich wechselseitig darauf beziehen und darüber unterhalten können
  • Musik: "Die Frage, ob Musiker noch Plattenfirmen brauchen, muss wohl kaum noch beantwortet werden. Natürlich nicht. Mit den neuesten Technologien können sie ihre Aufnahmen selbst machen, und zwar genau so, wie sie sie haben wollen." >> das unterschätzt, die Vorteile von Arbeitsteilung und Spezialisierung auch oder gerade im Bereich kultureller Branchen;
  • Musik/Radio, S. 127: "Die Gefahr, dass überall dasselbe Repertoire gespielt wird, wird dadurch beträchtlich kleiner. Außerdem müssten sie sich, um eine Sendelizenz zu bekommen, zu einer gewissen Programmvielfalt verpflichten, zumindest innerhalb der jeweiligen Sparte, auf die sie spezialisiert sind. Denn wenn wir als Gesellschaft eine Vielzahl der Voraussetzungen schaffen, die Sendeanstalten überhaupt erst in die Lage versetzen, ihr Geschäft zu betreiben, dann dürfen wir auch mit Fug und Recht eine Gegenleistung verlangen. Nämlich, dass sie uns das künstlerische Schaffen, das in unserer Gesellschaft entsteht, in größtmöglicher Vielfalt zu Gesicht und zu Gehör bringen. Die Folge wird sein, dass viel mehr Künstler als heute gesehen und gehört werden." >> das liest sich schon wie eine viel weitergehende Regulierung als bloßes Wettbewerbsrecht; auch hier die Frage: warum sollte ein Ende des Urheberrecht ein Ende des Formatradios bedeuten?
  • Musik: Was ist mit dem Einsatz von Musik in der Werbung? Wäre das eine "unerlaubte Handlung"? Und wenn ja warum? (knapper Verweis auf Erkennungsmelodie auf S. 129 greift hier viel zu kurz)
  • Filme: gesonderter "Lead Time"-Schutz für Filme von 6 Monaten; >> Warum nur für Filme und nicht generell 6 Monate Lead-Time-Schutz?; >> Wieder sehr weitgehende Annahme, dass es keine Blockbuster mehr geben werde;

Fazit

  • S. 146: "seine Abschaffung nur Sinn ergeben würde, wenn auch die Marktverhältnisse sich beträchtlich ändern würden. Vielleicht ist dies sogar der gewagtere Teil unserer Vorschläge."
  • S. 150, zu Patenten im Pharmabereich: >> en-passant eingestreute, sehr voraussetzungsreiche Anforderungen: "Eine weitere Grundvoraussetzung ist natürlich, dass das betreffende Land mehr oder weniger korruptionsfrei ist."
  • Markenrecht: erhalten, aber auf Kern (Namensbezeichnung plus entsprechendem Design) zurückführen

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