Crouch - Postdemokratie Kommentar

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Über weite Strecken zutreffende, teilweise aber sehr oberflächliche Analyse. Das Konzept der Postdemokratie kann aber überzeugen, ebenso wie der Fokus auf den (übergroßen) Einfluss von Unternehmen und Wirtschaftslobbys auf politische Entscheidungsprozesse.

  • Unterscheidung von zwei Konzepten des "aktiven demokratischen Staatsbürgers", das positive Modell "dem zufolge Gruppen und Organisationen kollektive Identitäten entwickeln, ihre Interessen und Forderungen selbständig artikulieren und an das politische System weiterleiten. Auf der anderen Seite steht der negative Aktivismus des Tadelns und Sich-Beschwerens, bei dem das Hauptziel der politischen Kontroverse darin besteht, zu sehen, wie Politiker zur Verantwortung gezogen werden, wie ihre Köpfe auf den Richtblock gelegt (werden) (...) Die Demokratie braucht beide Arten von Rechten, doch derzeit gewinnt das negative Modell die Oberhand. Das ist ein Anlaß zur Besorgnis, da offensichtlich gerade die positiven Staatsbürgerrecht die kreativen Energien diese politischen Systems ausmachen." (S. 22-23, Herv. L.D.)
  • "Demokratie erfordert ein gewisses Maß an Gleichheit, was die tatsächlichen Möglichkeiten aller Bürger angeht, auf die politischen Entscheidungen einzuwirken." (S. 26)
  • "Die Welt der Interessengruppen, sozialen Bewegungen und Lobbys paßt besser zum lieberalen Modell als zum demokratischen, da das lieberale kaum Regeln vorsieht, die über die zulässigen Formen der Einflußnahme entscheiden. Die Ressourcen, die den einzelnen Gruppen zur Vergügung stehen, variieren dabei systematisch massiv, Wirtschaftslobbys verfügen aus zwei Gründen immer über einen enormen Vorteil: Erstens können die Repräsentanten der Writschaft (...) damit drohen, daß ihre Branche Verluste machen wird, wenn die Regierung ihnen kein Gehör schenkt. (...) Und zweitens können sie für ihre Lobbyarbeit enorme Summen aufbringen (...), die Kosten dafür stellen also ein Investition dar." (S. 27-28)
  • Interessanter Verweis auf die journalistischen Leistungen George Orwells und dessen kurzlebige Vorbildfunktion für qualitätsvollen Journalismus (S. 38)

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